“Virales Video”: Ein Zauberwort des 21. Jahrhunderts. Und gleichzeitig das Schicksal, das jeder Unternehmer seinem fertigen Image- oder Produktvideo wünscht - ohne aber wirklich zu glauben, dass daraus etwas werden könnte. Was wiederum daran liegt, dass zum Einen die Definition von “viral” oft schlicht falsch ist, und zum zweiten die Erwartungen an eine virale Videoproduktion in eine irrige Richtung gehen.
Um es überspitzt auszudrücken: Viele verstehen unter einem viralen Video einen Werbeclip, der in den ersten drei Tagen seines eher willkürlich im Netz Herumirrens auf wundersame Weise drei Millionen Mal angeklickt oder herunter geladen wird, und zwar aufgrund seiner überbordenden Witzes, seines schockierenden Inhalts oder sonst welcher wahrnehmungspsychologischer Superlative. Stimmt, so Videos gibt’s. Sie sind meist tatsächlich großartig. Und in 999 von 1.000 Fällen steckt hinter ihrem scheinbar phoenixhaften Aufstieg eine minutiös und mit so viel finanziellem wie personellen Aufwand geplante Kampagne riesiger Agenturen.
Was schade ist. Denn ob dieser kometenhaften Erfolgsgeschichten geht die wahre, schlichte Magie des Wortes “viral” völlig verloren. Die nämlich eigentlich nichts anderes bedeutet, als das ein Video als so wertvoll empfunden wird, dass man es weiter empfiehlt, ohne dazu aufgefordert zu sein. Das ist ein psychologisches Phänomen. Es beruht auf menschlicher Kommunikationsfreudigkeit. Auf dem kleinen Triumph, ein bisschen mehr zu wissen als Andere. Und derjenige zu sein, der als Erster mit diesem Wissen nach vorne kommt.
Das kann natürlich ein besonders guter Witz sein. Oder ein schockierender Bericht. Muss aber nicht. Genauso gut kann es eine wertvolle Information sein. Oder etwas, das nur geteilt schön ist: Wie ein 2-in-1 Rabatt. Oder eine Einladung. Oder ein besonders emotionaler Moment.
Ein virales Video muss nur drei kleine Voraussetzungen erfüllen: Es muss etwas Mitteilenswertes beinhalten. Es muss Multiplikatoren zur Verfügung stehen. Und der Sender muss sich gut dabei fühlen, es weiterzugeben. Wenn Sie also Ihre Videoproduktion planen, und sich der virale Videotraum in Ihnen festgesetzt hat, suchen Sie nicht länger verzweifelt nach der einen, wahnsinnig witzigen Überidee.
Setzen Sie sich lieber hin, und versetzen Sie sich in ihre Zielgruppe. Überlegen Sie, worüber die in den Pausen spricht, in der Bahn, beim Zigarettenrauchen. Oder wo auch immer zwei oder mehr dieser Spezies zusammenstehen. Womit macht Ihr Kunde sich bei seinen Kunden, Kumpels, Freunden, seiner Familie beliebt?
Und dann: Welche medialen Kanäle konsumiert er? Denn die lustigsten Videos verkümmern ungesehen, wenn sie an den falschen Orten stehen! Ist Ihr Kunde ein Social Media Konsument? Beschäftigt er sich mit YouTube Tube und anderen Online-Videokanälen? Ist er E-Mail freudig? Oder muss das Video erst ins firmen-interne Intranet geschleust werden?
Machen Sie Blogs ausfindig, die themenverwandt sind, und bieten Sie das Video den Betreibern an - Bloginhaber sind immer dankbare Abnehmer von Content. Kurz gesagt: Stellen Sie Ihr Video dahin, wo Ihr Kunde es findet, nicht nur dahin, wo Sie es für am besten aufgehoben halten - was in verständlicher Betriebsblindheit meistens die eigene Webseite ist, die so ungefähr an drittletzter Stelle der Quellen von viralen Spots steht.

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